Die 7 größten Erziehungsfallen
und wie sie Sie vermeiden
Wir lernen Deutsch, Englisch, Mathematik. Es gibt Fahrschulen und Kurse für Computertechnik. Bei den wesentlichen sozialen Qualifikationen aber - (Ehe-)Partner und Eltern sein - vertraut man auf unsere Naturbegabung. Hier wenigstens ein kleiner Elternkurs zum Thema Erziehung.
1. Vermeiden Sie Perfektionismus
Der Vollkommenheitswahn der Eltern macht Kinder zu Sündenböcken.
Typische Elternbotschaften: Streng dich mehr an! Mir wäre das nicht passiert! Du hast nicht genug geübt!
Negative Folge: eine angespannte Überwachungsmentalität; die Eltern üben eine Art Richteramt aus; es gibt ständige Machtkämpfe; das Gerechtigkeitsempfinden ist gespalten (auch perfekte Eltern machen Fehler, aber das dürfen die Kinder nicht bemängeln).
Abhilfe: Haben Sie Mut zur Unvollkommenheit. Die bisherige Ordnung wird bei Veränderungen nicht gleich zusammenbrechen. Sehen Sie jedes Ereignis einzeln, hüten Sie sich vor Verallgemeinerungen ("Nie räumt ihr auch nur ein Fitzelchen auf!"). Lassen Sie sich ruhig ein bisschen von der Lockerheit Ihrer Kinder anstecken. Seien Sie nachsichtig, lassen Sie auch mal Fünfe gerade sein - und tragen Sie´s mit Humor und Geduld.
2. Bauen Sie Zeitdruck ab
Kinder bummeln, Eltern drängeln.
Typische Elternbotschaften: Jetzt trödel doch nicht so! Ich hab jetzt keine Zeit. Wegen Dir verpassen wir das noch! Jetzt nicht! Ein andermal!
Abhilfe: Führen Sie Erholungspausen für Eltern und Kinder ein. Manchmal hilft es schon, wenn Eltern und Kinder einen Mittagsschlaf halten. Planen Sie alle Termine mit reichlich "Luft", rechnen Sie mit Verzögerungen. Je später es am Tag ist, umso länger brauchen die (jetzt müden) Kinder für ihre Tätigkeiten. Entwickeln Sie besonders am Abend keine Hektik. Führen Sie ein klares Gute-Nacht-Ritual ein, das etwa 20 Minuten dauert und vom Spiel zur Ruhe übergeht (z. B. Toben oder Quatschmachen, Schmusen, Vorlesen, Licht ausmachen, Lied, Gebet). Widmen Sie sich in dieser Zeit Ihrem Kind ganz. Gehen Sie nicht ans Telefon.
3. Halten Sie Sorgen und Ängste klein
Permanente Vorsicht und Sichängstigen der Eltern führen zu mangelndem Selbstbewusstsein und Duckmäusertum der Kinder. Oder - eines Tages - zu Rebellion und überzogener Risikobereitschaft. Typische Elternbotschaften: Das kannst du nicht. Wie willst du denn das schaffen? Das ist zu gefährlich. Da kann so viel passieren.
Abhilfe: Setzen Sie Ermahnungen nur sparsam ein. Begründen Sie Ihre Sorge klar und sachlich. Geben Sie Ihren Kindern in etwa so viel Freiraum, Taschengeld und Ausgehzeit, wie ihre Altersgenossen auch haben.
Vereinbaren Sie bei Teenagern, die abends weggehen dürfen, klare Sicherheitsmaßnahmen: Legen Sie eine genaue Rückkehrzeit fest, oder wann und wo Sie Ihr Kind abholen. Geben Sie ihm eventuell ein Handy mit und Notfallgeld für ein Taxi. Bieten Sie das sichere Netz der elterlichen Unterstützung an: Wenn etwas passiert ist, kommst du zuerst zu uns! Wir helfen dir. Trauen Sie Ihren Kindern etwas zu, geben Sie ihnen Ermutigung und den Freiraum, selbst etwas auszuprobieren. Zeigen Sie Geduld, wenn etwas nicht klappt: "Das kannst du beim nächsten Mal besser."